Wie Sie den Watt-Bedarf pro Raum abschätzen können ...

Das Raumklima ist ähnlich komplex wie das Wetter. Wieviel Heizlast erforderlich ist, um einen Raum ausreichend zu beheizen, hängt von vielfältigen Faktoren ab. Bereits die zweckmäßige Zieltemperatur ist ein solcher Faktor. Im Flur z.B. ist eine andere Temperatur sinnvoll als im Wohnzimmer oder geschäftlichen Besprechungsraum. Weitere Aspekte sind Anzahl, Größe, Lage und vor allem die Wärmedämmung und Luftdichtigkeit von Fenstern und Mauern.
Eine verbindliche Wärmebedarfsberechnung ist staatlich geprüften Experten vorbehalten. Aufgrund von Erfahrungswerten sind aber unverbindliche Orientierungswerte benennbar, die sich in der Praxis gut bewährt haben. Diese Orientierungswerte gelten für folgenden Eckdaten:
- Raumhöhe bis 2,50 m bei den Quadratmeter-Angaben
- Außentemperatur bis - 15 Grad Celsius
- Zieltemperatur bis 24 Grad Celsius
Die unten genannten Orienterungswerte beziehen sich nicht auf Bauten, die nach neuesten Standards und Möglichkeiten der Energie-Optimierung errichtet bzw. saniert werden sollen, z.B. vollgedämmte Gebäude, Passiv-Häuser oder Niedrigenergie-Bauten. Der verbleibende Heizbedarf lässt sich bei solchen Bauprojekten bis auf weiteres nur nach Kenntnis des jeweils angestrebten bzw. technisch und finanziell tatsächlich realisierbaren Effizienzgrades ermitteln. Infrarotheizungen sind für Energiesparbauten ideal geeignet, sollten aber bereits bereits bei der Projektierung berücksichtigt werden. Nehmen Sie mit uns daher frühzeitig persönlichen Kontakt auf, wenn es um innovative Energiespar-Bauvorhaben geht.

Wattbedarf und Stromkosten
Der Wattbedarf ist nicht nur maßgeblich für die Anschaffungskosten einer Infrarotheizung, sondern auch ein wesentlicher Faktor für die Höhe der zu erwartenden und tatsächlich entstehenden Stromkosten. Solange es nur darum geht, eine bereits bestehende Zentralheizung oder den Fernwärmebezug in einzelnen Räumen durch eine Infrarotheizung zu ergänzen, benötigt man in der Regel nur wenig Wattleistung und die Stromkosten bleiben entsprechend gering . Eine ähnlich günstige Kostensituation liegt bei Energiespar-Bauten vor, auch bei infraroter Vollbeheizung.
Bei Altbauten kann bei schlechter Dämmung ein hoher Wattbedarf mit entsprechend höherem Stromverbrauch entstehen. Deswegen ist bei Altbauten in vielen Fällen eine infrarote Vollbeheizung erst nach Verbesserung der Wärmedämmung rentabel. Vor einer solchen Bausanierung sollte deswegen vielleicht eher ein "Mischkonzept" praktiziert werden.
Mehr über den Zusammenhang von Wattleistung und Stromkosten erfahren Sie im Beitrag "Stromverbrauch".
Orientierungswerte für die Wattbedarfsermittlung

Faustregel
Um den Wattbedarf ohne Berücksichtigung von Raumbesonderheiten mal schnell abzuschätzen, kann man folgende leicht zu merkende Faustregel anwenden:
60 Watt pro m² bis Raumhöhe 2,5 m (=24 Watt pro m³)
Im Grobüberschlag benötigt man bei 10 m² also 600 Watt, bei 20 m² 1200 Watt und bei 30 m² 1800 Watt, um einen Raum bei anhaltenden kalten Außentemperaturen "mollig warm" zu bekommen.
Angewendet auf die handelsübliche Wattaustattung können Sie auf dieser Basis von folgenden Richtwerten ausgehen:
100 Watt = 1,7 m² (4 m³)
200 Watt = 3 m² (7,5 m³)
300 Watt = 5 m² (12,5 m³)
400 Watt = 7 m² (17,5 m³)
600 Watt = 10 m² (25 m³)
800 Watt = 13 m² (32,5 m³)
1000 Watt =17 m² (42,5 m³)
1200 Watt = 20 m² (50 m³)
Die Verwendung der Faustregel ist für eine schnelle Dimensionierung der Anschaffungskosten sinnvoll. Bei einem Wohnzimmer von 20 m² z.B. läßt sich dann schnell abschätzen, wieviel Infrarotheizungen man für das Wohnzimmer benötigt (z.B. 1 x mal 1200 Watt oder 1 x 800 Watt plus 1 x 400 Watt). Die Faustregel informiert einen darüber, mit welchen Anschaffungskosten man "überhaupt so" rechnen muß. Die endgültigen Anschaffungskosten hängen dann natürlich auch davon ab, welche Ausführungsformen man bevorzugt (einfache lackierte Flachheizung, Fotoheizung, Marmorheizung etc.).
Wenn Sie nicht mehr als zwei Aussenwände haben und bisher keine Auffäligkeiten wie besonders kalte, feuchte oder schimmelige Wände feststellen konnten, liegen Sie mit der Faustregel meistens richtig.

Bei bemerkbaren Dämmungsmängeln oder mehr als zwei Aussenwänden sollte man sich eher an folgenden Richtwerten orientieren:
Berücksichtigung der Dämmung
Räume mit guter Dämmung
1 Aussenwand = 50 Watt m² / 20 Watt m³
2 Aussenwände = 60 Watt m² / 24 Watt m³
3 Aussenwände = 70 Watt m² / 28 Watt m³
4 Aussenwände = 80 Watt m² / 32 Watt m³
Räume mit mittlerer Dämmqualität
1 Aussenwand = 70 Watt m² / 28 Watt m³
2 Aussenwände = 80 Watt m² / 32 Watt m³
3 Aussenwände = 90 Watt m² / 36 Watt m³
4 Aussenwände = 100 Watt m² / 40 Watt m³
Räume in Altbauten mit schlechter Dämmung
1 Aussenwand = 90 Watt m² / 36 Watt m³
2 Aussenwände = 100 Watt m² / 40 Watt m³
3 Aussenwände = 110 Watt m² / 44 Watt m³
4 Aussenwände = 120 Watt m² / 48 Watt m³
Die Orientierungswerte für Altbauten mit schlechter Dämmung zeigen, dass es wenig sinnvoll ist, einer schlechten Dämmung dauerhaft durch hohe Heizlast entgegen zu wirken. Für einen Raum von nur 20 m² (50 m³) mit zwei Aussenwänden benötigt man 2000 Watt, umgerechnet in Heizkörper also zum Beispiel 2 Heizkörper mit 700 Watt (1200 x 600 mm) plus ein Heizpanel mit 600 Watt (900 x 600 mm). Zusammen ergibt das eine Heizfläche von 2 m². Ist der 20 m² Raum höher als 2,5 Meter ist noch mehr Heizfläche erforderlich. Dieser große Heizflächenbedarf läßt sich ohne Bausanierung nur durch einen kombinierten Einsatz von Konvektions- und Infarotheizungen reduzieren. Mehr darüber erfahren Sie in "IR-Heizung im Altbau".
Verzichten Sie nicht darauf, bei schlechter Dämmung prüfen zu lassen, ob sich die Dämmung zu wirtschaftlich vernünftigen Kosten verbessern läßt. Das ist meist über die Jahre gerechnet günstiger, als die schlechte Dämmung durch eine dauerhaft höhere Heizlast mit Infrarot-Heizelementen auszugleichen. Mit Hilfe moderner Verfahren, zum Beispiel der Thermografie, lassen sich unerwünschte Wärmebrücken lückenlos ermitteln. Um sich ein erstes Bild zu verschaffen, genügt eine Messung der Oberflächen von Wänden, Decken und Böden per Infrarot Thermometer.

Durch Bausanierung können 50 bis 90% Energiekosten eingespart werden. Wie in "Energetische Bausanierung und Infrarotheizung" dargestellt, schrumpft der Wattbedarf zur Vollbeheizung mit Infrarot-Heizelementen dadurch auf den geringen Heizenergie-Bedarf einer Ferienwohnung in Teneriffa.
Eine kostengünstige Alternative stellt der innenseitige Wärmeschutz dar.
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Sollte sich eine Dämmungsverbesserung als technisch kaum möglich, nicht finanzierbar oder nicht sinnvoll (z.B. bereits zeitlich geplanter Abriss oder Denkmalschutz) erweisen, ist eine Beheizung mit Infrarot Wärmewellenheizungen - z. B. im Rahmen eines Mischkonzeptes - trotzdem empfehlenswert, da sich Wände und Fußböden durch eine kontinuierliche Infrarotstrahlung wirksamer und schimmelfrei aufwärmen lassen. Wände und Böden bleiben bei konvektionellen Heizungen zum Teil erheblich kälter als bei Infrarot-Heizelementen. Insbesondere bei bereits festgestellten Schimmel-Problemen sind Wärmewellen-Heizelemente sehr hilfreich, da sich die Wärme per se gleichmäßiger verteilt (siehe hierzu auch "Infrarotstrahlung erwärmt die Körper" in Gesunde Öko-Wärmewellen).
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